VmA Newsletter 02/2019

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Erdweg, 23. Oktober 2019

Liebe Mitglieder und Interessierte am Verband,

sommer

Ich freue mich, Ihnen unseren neuen Newsletter präsentieren zu dürfen.

Im Folgenden erhaltet/n Ihr/Sie einen Bericht zu unserer Mitgliederversammlung vom 05.04. – 07.04.2019 in Nürnberg, anschließend einen Beitrag von unserer Redakteurin zu einem Thema, mit dem viele Praxen schon in Kontakt gekommen sind, nämlich „Gewalt in der Arztpraxis“ sowie eine Info zum neuen Terminservicegesetz (TSVG) und eine Einladung zum Kunsttreff durch den LV Süd-West.

Viel Freude beim Lesen!

 

1 . Mitgliederversammlung in Nürnberg vom 05.04.-07.04.2019

nuernbergVom 05.04.-07.04.2019 fand die diesjährige Mitgliederversammlung in Nürnberg statt. Entsprechend langjähriger Tradition trafen sich die Teilnehmer zu einem Sektempfang mit anschließendem gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Sebald“ zu einem ersten angeregten Austausch. Während die Begleitpersonen am nächsten Tag das Eisenbahnmuseum besuchten, fand die Mitgliederversammlung im NH-Hotel in Nürnberg statt.

Da heuer wieder Wahlen zum Vorstand anstanden und einige Engagierte im Vorstand sich zurückziehen wollten, z.B. weil sie ihre Tätigkeit in der Praxis schon beendet haben, war es spannend, ob sich genügend Bereitwillige für die Vorstandsmitarbeit zur Verfügung stellen. Erfreulicherweise meldeten sich mehrere Interessierte, so dass alle frei werdenden Posten problemlos besetzt werden konnten.

Der neue Vorstand setzt sich nun wie folgt zusammen: 1.Vorsitzende Luitgard Hegele(LV Bayern), Stellvertreterinnen vom LV Bayern: Susanne Niedermeyer und Diana Schlemmer(neu), ebenso wurde als neue Schatzmeisterin Sabina Lauer(LV Bayern) gewählt. Unsere bisherige Beisitzerin Angela Lox(LV Nord) übernahm nun das Amt als Schriftführerin. Auch die beiden Beisitzer wurden neu in den Vorstand gewählt, nämlich Frau Elke Seeber(LV Nord) und Ina Straub-Ebert (LV Bayern).

vorstand vma 2019

Der neue Vorstand: D. Schlemmer, M. Kätsch-Jung, L. Hegele,
E. Seeber, A. Lox, S. Lauer, S. Niedermeyer, I. Straub-Ebert

Da Edel Kaufmann, unsere langjährige und äußerst zuverlässige Schriftführerin vom LV Süd-West dieses Mal nicht an der MV teilnehmen konnte und sich genügend anwesende Mitglieder für den Posten zur Verfügung stellten, wurde das Amt neu vergeben. Für Deinen Einsatz, liebe Edel, möchten wir uns ganz herzlich bei Dir bedanken ebenso für das langjährige sehr intensive Engagement von meiner bisherigen Stellvertreterin Therese Bollenbach, die sich dankenswerter Weise bereit erklärt, weiterhin das Amt der Vorsitzenden des LV Süd-West zu auszuüben sowie unserer ebenfalls sehr engagierten bisherigen Schatzmeisterin Marianne Kätsch – Jung, die in vorbildlicher Weise unsere neue Schatzmeisterin bei der Einführung in ihr neues Amt unterstützt. Da die neu in den Vorstand gewählte Beisitzerin In Straub – Ebert bisher zusammen mit Andrea Schiele – Eberlein den Posten des Kassenprüfers ausgeübt hatte, musste auch dieser Posten neu vergeben werden, den nach einstimmiger Wahl dankenswerter Weise Helga Bauer übernahm.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Mitgliederversammlung war die Vorstellung der neuen Katastrophenmappe durch Susanne Niedermeyer, die zusammen mit unserer Juristin Frau Kneer – Weidenhammer die Hauptarbeit bei der bei der Überarbeitung der Mappe geleistet hat. Geändert haben sich sowohl das Layout als auch der Inhalt. So wurde die Mappe um das wichtige Kapitel „Digitales Erbe“ erweitert. Entsprechend dazu fand im Anschluss an die Mitgliederversammlung eine Fortbildung durch eine Expertin in diesem Bereich, Frau Landes statt.

Abschließend wurde als nächster Veranstaltungsort unserer Mitgliederversammlung Dresden festgelegt, und zwar vom 20.03. – 22.03.2020.

Nach dem Vormittagsprogramm gab es eine Erholungsphase zur eigenen Verfügung, bevor am Spätnachmittag sich die Teilnehmer zu einer sehr anschaulichen und interessanten Führung durch die „Felsengänge“ trafen. Hierbei erhielten wir einen Einblick in das Leben unter der Erde und wie die Felsengänge im 2. Weltkrieg genutzt wurden. Das anschließende Abendessen fand in der urigen „Alten Küch’n“ statt. Wer noch Lust hatte, ließ den Abend bei einem launigen Austausch in der Hotelbar ausklingen...

Den Sonntagvormittag nutzten noch viele TeilnehmerInnen für eine Führung im Germanischen Museum, wahlweise mit dem Thema „Albrecht Dürer und seine Zeit“ oder „Moderne und Gegenwart“. Gelegenheit zu einem letzten Gespräch bot sich beim abschließenden Mittagessen im Literaturcafe . Angeregt durch ein harmonisches Treffen und interessanten Erfahrungsaustausch machten sich die TeilnehmerInnen auf den Heimweg. Auf ein Wiedersehen bei der nächsten Mitgliederversammlung in Dresden freut sich der Vorstand.

 

2. Gefährliche Situationen meistern

plan2Wenn Patienten in der Praxis aggressiv werden

In fast jeder Arztpraxis ist es schon einmal passiert: Ein Patient be-schimpft und beleidigt den Arzt oder das Praxisteam. In schlimmeren Fällen wird auch geschubst, bedrängt, festgehalten oder gar mit einem Gegenstand angegriffen. Damit solche gefährlichen Situationen erst gar nicht entstehen, lässt sich viel tun.

Als der Allgemeinarzt Dr. Florian Vorderwülbecke vor Jahren im Bereitschaftsdienst zu einem drogenabhängigen Patienten gerufen wurde, griff der Mann nach einem kurzen Gespräch zum Messer. Er wollte den Arzt zwingen, ihn nachts in eine Klinik einzuweisen. Auch wenn Florian Vorderwülbecke bei diesem Einsatz nicht verletzt wurde, war es für ihn ein einschneidendes Erlebnis. Seitdem ist die Aggression gegen Ärzte und Mitarbeiter sein Thema. Gemeinsam mit Kollegen des Instituts für Allgemeinmedizin der TU München initiierte er zunächst eine Studie, die Aufschluss darüber geben sollte, wie groß das Problem eigentlich ist. Das Ergebnis: Fast alle Allgemeinmediziner haben in ihrer Laufbahn bereits Erfahrungen mit aggressiven Patienten gemacht und schildern entsprechende Situationen:

  • „Auf meine Weigerung hin, ihm ein Gefälligkeits-Attest auszustellen, wurde der Patient ärgerlich und erklärte, er werde sich im Internet entsprechend über mich äußern und ging dann türenschlagend weg.“
  • „Ein Patient drohte mit erhobener Faust, wenn ich nicht sofort etwas verschreibe, schlage er mir in die Fresse.“
  • „Ein Patient hat sich über die Wartezeit so aufgeregt, dass er mich übel beschimpft und den auf der Erde stehenden PC zertreten hat.“

Am häufigsten wird geschimpft und beleidigt

Da die Hausärzte den größten Teil ihrer Arbeitszeit in der Praxis verbringen, berichten sie in der Studie am häufigsten von aggressiven Vorfällen, die sie dort erleben – obwohl Hausbesuche im Bereitschaftsdienst relativ gesehen noch gefährlicher sind. Drei Viertel der Befragten haben in der Praxis bereits Beschimpfungen und Beleidigungen erlebt, gut die Hälfte Sachbeschädigung oder Diebstahl und knapp genauso viele Rufschädigung oder Verleumdung im Internet. Ein Viertel der Ärztinnen hat sexuelle Belästigung erlebt.

Lange Wartezeiten sind ein Auslöser

Die Gründe für das aggressive Verhalten sind vielfältig. Längere Wartezeiten oder andere Reglementierung im Gesundheits-system, bei denen der Arzt oder das Praxisteam zum Überbringer der „schlechten Nachrichten“ wird, können der Auslöser sein. Manchmal sind Patienten auch enttäuscht, dass der Arzt nicht helfen kann, und lassen ihrer Wut darüber freien Lauf. Die gestiegenen Ansprüche der Patienten können ebenfalls eine Rolle spielen, nämlich dann, wenn Medizin als Dienstleistung wahrgenommen wird, die möglichst schnell zu erbringen ist.

Mit Prävention lässt sich viel erreichen

Dr. Florian Vorderwülbecke schult heute Ärzte und Praxismitarbeiter im Umgang mit aggressiven Patienten. „Am wichtigsten ist es, die Eskalation zu verhindern“, sagt er und zeigt viele Maßnahmen auf, die präventiv wirken. Jedes Praxisteam sollte herausfinden, welches die Top-5-Situationen sind, die zu aggressivem Verhalten von Patienten führen. Das ist von Praxis zu Praxis verschieden, aber fast immer spielen lange Wartezeiten eine Rolle. Sind es vor allem unangemeldete Patienten, die sich über lange Wartezeiten beschweren? Oder ältere Patienten mit vielen Problemen, deren Betreuung besonders zeitintensiv ist? Oder Patienten, die schnell zwischendurch ein Attest brauchen? Sachverhalte, die ebenfalls häufig zu Streit führen, sind fehlende Aut-idem-Kreuze auf dem Rezept oder rückwirkende Krankschreibungen.

Ein Teil der Lösung liegt in der Organisation

Hat ein Praxisteam die häufigsten Probleme ermittelt, ist eine Veränderung der Organisation oft Teil der Lösung. So können Zeitfenster, die für Akut-Patienten freigehalten werden, beispielsweise dabei helfen, die Frustration über lange Wartezeiten zu reduzieren, so dass das Potenzial für emotional aufgeladene Diskussionen deutlich sinkt. Am stressigen Montagmorgen kann eine ausgedehntere Akutsprechstunde helfen und gegebenenfalls eine zusätzliche Kraft, die in einem separaten Büro Telefonate entgegennimmt, sodass es an der Rezeption ruhig und entspannt bleibt.

Gut vorbereitet sind alle handlungssicher

„Ganz wichtig ist, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf mögliche schwierige Situationen vorbereitet sind. Nur wenn es klare Regeln für das gesamte Team gibt, ist jeder einzelne handlungssicher“, sagt Florian Vorderwülbecke. Es gilt also, genau festzulegen, wie mit bestimmten Situationen umgegangen wird:

  • Was wird gesagt? Wie wird es gesagt?
  • Wann wird die Chefin oder der Chef dazu geholt?
  • Ab welcher Eskalationsstufe wird die Polizei alarmiert?
  • Wer bekommt Hausverbot?

Mit diesen Regeln lässt sich eine größtmögliche Sicherheit in der Praxis gewährleisten.

Weitere Tipps für mehr Sicherheit

  • Halten Sie sich an das Zwei-Personen-Prinzip, das heißt bleiben Sie mit schwierigen Patienten nie allein im Sprechzimmer.
  • Schaffen Sie eine Zutrittskontrolle für bestimmte Bereiche in der Praxis, z. B. durch Spezialschlösser oder automatische Türschließer.
  • Bauen Sie ein Alarmsystem in die Telefonanlage oder in den Praxiscomputer ein.
  • Achten Sie auf ausreichende Distanz zu Patienten und Besuchern, z. B. durch einen soliden Empfangstresen, der auch als Barriere fungieren kann.
  • Bewahren Sie keine Gegenstände auf dem Empfangstresen oder im Behandlungszimmer auf, die als Waffen oder Wurfgeschosse eingesetzt werden können (Scheren, Brief-öffner, Locher, Hefter).
  • Vernetzen Sie alle Einzelarbeitsplätze, sodass jeder im Notfall schnell Hilfe bei Kollegen holen kann.

Quelle: Jakob Wilder, KVSH

Weiterführende Links

Die komplette Studie zu Aggression und Gewalt gegen Allgemeinmediziner und praktische Ärzte
https://www.aerzteblatt.de/pdf/112/10/m159.pdf

Seminare zum Umgang mit aggressivem Verhalten in der Praxis
https://dienste.kvb.de/vam/index.cfm?seite=veranstaltungsliste

3. Info zum neuen Terminservicegesetz(TSVG)

Liebe Mitglieder,

plan

anhängig findet sich der Link zur KBV-Seite mit den neuesten Informationen zum TSVG. Hier werden erstmals wichtige Details benannt, wie die abrechenbaren GOP und die anderen Regelungen, wie Definition der Abrechnungsmodalitäten, Dringlichkeit, offene Sprechstunden, sowie die BEREINIGUNG DER NEUEN LEISTUNGEN.

Am besten die KBV-Praxisnachrichten abonnieren unter KBV – Praxisnachrichten auf der rechten Seite findet sich ein Link: „Hier können Sie die PraxisNachrichten abonnieren“. Einfach anmelden, dann hat man die neuesten Newsletter mit den relevanten Infos direkt zur Verfügung

https://www.kbv.de

Susanne Niedermeyer

 

4. Einladung zum Kunsttreff am 14.09.2019 um 14.00 Uhr in Frankfurt

Die Landesvorsitzende des LV Süd-West Frau Therese Bollenbach lädt alle Mitglieder des Verbandes sehr herzlich zu unserem diesjährigen Kunsttreff in das Städel-Museum nach Frankfurt ein. Wir besuchen dort eine Führung durch die Ausstellung „ Kirchner, Heckel und Schmidt-Rotluff : Das Geheimnis der Marterie“.

Anschließend gibt es die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Austausch im Museumscafe.

Hier finden Sie die Einladung und Anmeldung für das Treffen zum Download.

5. Zum Schluss etwas zum Nachdenken

sonnenblume

Was Frauen wirklich wollen

Das ist eine Geschichte, die sich vor vielen hundert Jahren zugetragen hat in einem Land, wo es einen König gab, der als weise und gütig galt und deshalb sehr beliebt war. Er hatte einen Sohn, den jungen Prinzen, der war gerade achtzehn geworden. Ein junger hübscher Bursche. Die Leute haben begonnen, sich darüber zu unterhalten, dass er im heiratsfähigen Alter ist, und er wird sich sicher bald eine Frau suchen, und ein paar Mädels im Königreich, die Hoffnung hatten, dass das Auge des Prinzen vielleicht mal auf sie fällt, die waren besonders neugierig:“Wer wird es wohl sein?“ Aber der Prinz hat keine großen Anstalten zu diesem Thema gemacht. Er hatte ein Hobby, das war die Jagd, und deshalb war er viel unterwegs. Eines Tages, als er auf der Jagd war, hat er einen Hirschen angeschossen, verfolgte seine Fährte und kam in einen Teil des Landes, wo er vorher noch nie war. In diesem Wald kannte er sich nicht aus und irgendwann merkte er, dass er die Fährte verloren hatte. Er entschied sich, wieder nach Hause zu reiten. Und gerade, als er sein Pferd umdrehte, um nach Hause zu reiten, machte es grrrr, Blitz und Donner und plötzlich stand ein Zauberer vor ihm, spitzer Hut, buschige Augenbrauen und fuhr ihn an: “Hey, was machst du hier in meinem Wald?“ Der Prinz sagte: „Sorry, ich wusste nicht, dass das dein Wald ist. Ich war auf der Jagd, habe mich ein bisschen verirrt und reite eh gerade nach Hause.“ „Nix da!“, sagte der Zauberer. „Wer meinen Wald ungefragt betritt, der muss sterben!“ „Was?“, rief der Prinz. „Sterben gleich? Ich habe mich doch entschuldigt, da muss man nicht gleich vom Sterben reden. Außerdem habe ich es nicht gewusst, dass das dein Wald ist, das war keine böse Absicht.“ Der Zauberer daraufhin: „Ja, Nichtwissen schützt vor Strafe nicht!“ Dem Prinzen wurde ganz schön mulmig, und er flehte den Zauberer an: „Aber ich bin noch ganz jung und habe mich entschuldigt, da kann man vielleicht eine Ausnahme machen oder ein Auge zudrücken, war doch gar keine Absicht.“ Der Zauberer: „Jetzt hör mal auf mit dem Gewinsel, das ist ja unerträglich. Also gut, ich gebe dir noch eine Chance, ich stelle dir jetzt eine Frage. Wenn du sie richtig beantworten kannst, vergessen wir das Ganze, wenn nicht, stirbst du.“ „Okay“, sagte der Prinz erleichtert, „und wie lautet die Frage?“ Der Zauberer: „Die Frage lautet: Was ist es, was die Frauen WIRKLICH wollen?“ „Och nöö, das finde ich jetzt keine faire Frage. Ich bin doch noch jung, hab kaum Erfahrung mit Frauen, und hier geht es um Leben und Tod, das finde ich jetzt keine faire Frage.“ „Also gut“, hat der Zauberer gesagt, jetzt hör mal auf. Also, ein letztes Angebot mache ich dir noch: Du schwörst bei deiner Prinzenehre, auf den Tag genau in einem Jahr erscheinst du wieder hier, und wenn du die Frage dann richtig beantwortest, Schwamm drüber, wenn nicht, will ich aber kein langes Gejammer mehr hören , dann kommt die Rübe runter.“ Was sollte der ame Prinz machen? Er hat geschworen und ist nach Hause geritten und hat natürlich sofort alles dem Papa erzählt. Der König wollte erst aufbrausen. Als er gesehen hat, dass sein Sohn ziemlich weiß um die Nase ist und die Knie ein bisschen schlottern, hat er seinen Arm um ihn gelegt und hat gesagt: „Sohnemann, reg dich nicht auf, das kriegen wir schon irgendwie hin. Ich bin ja der König, das muss für irgendwas gut sein. Ich habe auch schon eine Idee.Wir schicken Herolde im Land heum, die alle Leute Fragen: „Was ist es, was die Frauen wirklich wollen?“ Dann schreiben wir alle Antworten auf. Wir haben ein Jahr Zeit, da bekommen wir so viele Antworten zusammen. Da ist die richtige Antwort garantiert dabei.“ Gesagt, getan, die Herolde wurden umher geschickt und befragten alle Leute. Alle Antworten wurden gesammelt und in große Bücher reingeschrieben. Und da kam natürlich jetzt eine riesige Bandbreite an Antworten zusammen: von den tiefsinnigsten philosophischen bis zu den oberflächlichen Antworten.

Alle Antworten wurden also aufgeschrieben, und der Prinz – das Vorrecht der Jugend - ist bald wieder fröhlich jagen gegangen und hat nicht mehr darüber nachgedacht. Nur manchmal hatte er Albträume. Und wenn er nicht schlafen konnte, ging er ins Turmzimmer zu den Büchern. Man sah dann stundenlang Licht in der Nacht, wie er da die Bücher studiert hat. Und wenn er dann gesehen hat, wie viele Antworten zusammen kamen, dann war er wieder erleichtert und konnte wieder einschlafen. Gegen Ende des Jahres wurden die Albträume häufiger und er war oft im Turmzimmer zu finden. Und dann, etwa eine Woche bevor das Jahr um war, waren zwei Bücher voll und das dritte schon fast. Da war er wieder einmal jagen im Wald, kam auf eine kleine Lichtung und sah dort eine alte Frau am Boden sitzen. Als er vorbei ritt, drehte er sich um, um sie zu grüßen. Und als sie ihm den Kopf zudrehte, ist er fast vom Pferd gefallen, so erschrocken war er. Die Frau war so hässlich, dass es kaum zu beschreiben war. Sie hatte große Pferdezähne im Mund, die schon halb vergammelt waren, eine Schweinsnase hing ihr quer im Gesicht, ein Auge hing aus der Höhle raus, das andere schielte blutunterlaufen nach oben. Warzen, Pickel, kaum Haare auf dem Kopf. Sie war ein richtiges Monster. Und dann hat die Alte zu ihm gesagt: „Hey Prinz, ich weiß, was dein Problem ist.“ „Ja“, sagte er, „kein Wunder, seit fast einem Jahr reiten die Herolde umher. und ich glaube, jeder im Königreich weiß inzwischen, was mein Problem ist.“ Da hat die Alte gesagt: „Aber du hast die richtige Antwort noch nicht.“ „Woher willst du das wissen?“, hat er gefragt. „Das weißt du wahrscheinlich nicht, aber wir haben fast drei Bücher voll, da stehen so viele Antworten drin. Da ist die richtige Antwort garantiert dabei.“ „Du irrst dich“, sagte die Alte vehement, „denn ich bin die Einzige, die die richtige Antwort hat.“ Der prinz ganz verblüfft: „Du die Einzige? Das finde ich ganz schön arrogant. Naja“, sagt er „ist ja auch egal. Sag mir deine Antwort, dnn schreiben wir sie auch ins Buch. Lieber eine Antwort zu viel als eine zu wenig.“ Da sagte die Alte: „Würde ich schon machen, aber es kostet was.“ Der Prinz wieder: „Ja, kein problem, verstehst du, mein Vater ist der König, wir sind reich ohne Ende. Nee, sag einfach, was du haben willst, und das bezahlen wir anstandslos.“ „Ich will kein Geld“, hat die Alte gesagt. „Heiraten musst du mich,“ „Heiraten?“hat er gesagt. „Nimm’s nicht persönlich, aber hast du schon mal in den Spiegel geschaut. Ich habe das ganze Leben vor mir.“ Und: „Das kommt überhaupt nicht in die Tüte.“ „Naja“, hat die Alte gesagt: „wenn du es dir anders überlegst, Prinz, weißt du, wo du mich findest.“ „Nee“, sagte der Prinz, „Vergiss es, vergiss es“ und ist nach Hause geritten.

Drei Tage bevor das Jahr um war, schnappte er sich das erste Buch und ritt zu dem Zauberer, der schon auf ihn wartete und fragte: „So, weißt du jetzt, was die Frauen wirklich wollen?“ „Jawohl“, sagte der Prinz überzeugt, schlug das Buch auf und begann vorzulesen: „Pferde, Diamanten, Geliebt werden, Zärtlichkeit usw.“ Und jedes Mal schüttelte der Zauberer den Kopf und verneinte: „Das ist nicht das, was Frauen wirklich wollen. Das ist nicht die richtige Antwort.“ Als dann die Sonne unterging am ersten Tag, das erste Buch fertig vorgelesen war und der Zauberer auch bei der letzten Antwort den Kopf geschüttelt hatte, ritt der Prinz nach Hause und bekam ein ganz komisches Gefühl. Er hatte aber noch Hoffnung, denn schließlich gab es ja noch zwei weitere Bücher mit Antworten. Der zweite und dritte Tag verlief allerdings wie der erste. Und als schließlich die allerletzte Antwort aus dem letzten Buch vorgelesen war und der Zauberer wieder sagte: „Nein, das ist nicht die richtige Antwort“, meinte der Zauberer triumphierend: „So, mach dich bereit, du stirbst jetzt.“ Der Prinz darauf: „Nein, warte, mir ist noch etwas eingefallen. gib mir noch eine halbe Stunde! Komm schon, jetzt haben wir ein Jahr gewartet, da kommt es nicht auf eine halbe Stunde an. Ich schwöre, ich komm zurück.“ „Also gut. Eine halbe Stunde sollst du noch haben“, erwiderte der Zauberer. Da ist der Prinz wie ein geölter Blitz auf das Pferd gesprungen und zu der Alten geritten, die ihn schon erwartete und auch gleich fragte: „Na, Prinz, anders überlegt?“ „Ja, ja“, sagte er verzweifelt, „Es geht jetzt wirklich um Leben und Tod. Jetzt habe ich mich entschieden, ich heirate dich doch.“ Daraufhin die Alte: „Schwörst du?“ „Ja, ja ich schwöre, ich schwöre.“ „Okay, beug dich mal runter vom Pferd“, und dann flüsterte sie ihm was ins Ohr. Der Prinz ritt wieder zurück zum Zauberer. „ Ich weiß jetzt, was die Frauen wirklich wollen: Sie wollen gefragt werden, was sie wollen.“ Oh, war der Zauberer sauer, hat aufgestampft, hat sich aufgeführt wie Rumpelstilzchen und dauernd gemurmelt: „Das hat dir die Alte gesagt.“ Aber er musste den Prinzen ziehen lassen. Daheim machte sich erst einmal natürlich eine riesige Erleichterung breit, weil ja niemand wusste, ob der Prinz lebendig zurück kommt. Da wurde tüchtig gefeiert. Es war, wie wenn dem Prinzen ein neues Leben geschenkt wurde. Am nächsten Tag in der Früh machte es poch, poch, poch am Schlosstor. Der Prinz ging runter, und da stand die Alte vor der Tür und sagte: „Prinz, Zeit zu zahlen.“ „Ja, ich weiß“, sagte der Prinz ganz niedergeschlagen. „So, wie läuft das jetzt hier ab, Prinz?“, wollte die Alte wissen. Der prinz darauf: „Ich habe schon mit meinem Vater geredet. Es gibt da eine kleine Einsiedelei, da hat ein Mönch sich tief im Wald eine Kapelle gebaut, da können wir in aller Stille getraut werden.“ „Nix, da“, fordert die Alte, „Königssohn heiratet, große Fete ist angesagt.“ Der Königssohn stöhnte ein bisschen: „Muss das sein?“ „Ja, wenn der Königssohn heiratet, muss das Volk dabei sein.“ „Okay, dann machen wir es, ist eh schon wurscht, dann machen wir es so, wie du willst.“ Es wurden wieder Herolde ausgeschickt, alle Leute informiert, alles, was in einer halben Tagesreise machbar war, war dann unterwegs. Die Leute waren überrascht, niemand wusste, dass der Prinz heiratet, mittags war der Schlosshof gerammelt voll. Alle haben sie raufgeschaut zum Balkon, wo das Brautpaar erscheinen sollte, und dann kam das Brautpaar heraus. Totenstille – man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Alle waren fassungslos, als sie das Monster neben dem Prinzen sahen. Und dann wurde Hochzeit gefeiert. Aber so richtig Jubel, Trubel, Heiterkeit mochte nicht aufkommen. Als die Hochzeitsfeierlichkeiten zu Ende gingen und die Gäste wieder verschwanden, ging der Prinz mit seiner Frau ins Schlafgemach. Als sie im Zimmer waren, sagte die Alte: „So Prinz, Hochzeitsnacht ist jetzt!“ „Ja“, sagte er, „ich weiß“, aber er sah nicht so aus, als hätte er sich darauf gefreut. Als er seinen Wams ausgezogen und an den Nagel gehängt hat und sich dann umdrehte, stand er auf einmal mit offenem Mund da. Vor ihm stand die schönste junge Frau da, die erje in seinem leben gesehen hatte. „Wer bist du denn?“ „Ja“, sagte seine Frau, „ich bin die ehemalige Alte“. „Wie bitte? Das verstehe ich nicht.“ „Kannst du auch nicht verstehen, Prinz. Du wusstest ja nicht, dass ein böser Zauber auf mir lag, der nur dadurch gebrochen werden konnte, dass jemand bereit war, mich zu heiraten, obwohl ich so hässlich bin.“ „Oh“, sagte der Prinz erfreut, „ich bin der glücklichste Mann auf der ganzen Welt.“ Seine Frau daraufhin: „Mal langsam Prinz, mal öangsam, du kennst die ganze Story noch nicht. Die Sache ist nämlich die, zwölf Stunden am Tag sehe ich so aus wie du mich kennen gelernt hast, die anderen zwölf Stunden sehe ich so aus, wie du mich jetzt siehst.“ „Was?“, fragte der Prinz. „Ja“, sagte seine Frau. „Gell, Prinz, jetzt hast du ein Problem, jetzt musst du dich nämlich entscheiden: soll ich tagsüber schön und jung sein, da werden dich alle Leute beneiden, die Nächte mit mir werden dir aber nicht so gut gefallen. Oder du entscheidest dich, dass ich in der nacht jung und schön bin, dann werden dir die Nächte mit mir sicher besser gefallen, aber dann musst du damit leben, dass tagsüber die Leute mit dem Finger auf dich zeigen, dich für verrückt erklärn, wen du da geheiratet hast. Sag, wie entscheidest du dich jetzt?“ Da schaute der Prinz seiner Frau lange in die Augen und fragte schließlich: „Was ist es denn, was du möchtest?“ Daraufhin sagte sie: „Jetzt hast du den Zauber ganz gebrochen.“

Gefunden im Buch „Gewaltfreie Kommunikation – das Basistraining“ von Klaus Karstädt erschienen im Dezember 2018

 

 Einen entspannten und angenehmen Restsommer wünscht

unterschrift hegele
Luitgard Hegele
 

Impressum

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Winterstr. 24 · 85253 Erdweg
Tel 0700 86286238 · Fax 0700 27983728
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Vertretungsberechtigter Vorstand:
Luitgard Hegele · Hauptstraße 5 · 85253 Erdweg
Diana Schlemmer · Edenstetten 14 · 94505 Bernried
Susanne Niedermeyer · Bergstraße 37 · 91090 Effeltrich

Registergericht: Amtsgericht Tübingen · Registernummer: VR 1011

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